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Lesebrillen – was ist wichtig und warum braucht man eine Lesebrille?

Wenn man in einem Abstand von ca. 35 bis 50 Zentimeter etwas lesen möchte, und man ca. 45 Jahre alt ist, dann braucht man als Mensch der normal sieht, eine Lesebrille (Nahbrille oder Nahkomfortbrille genannt) mit ca. +0,75 Dioptrien. Lesebrillen sind für das Lesen und Arbeiten in der Nähe gemacht.

Leider lässt die Fähigkeit des Auges mit zunehmendem Alter immer weiter nach. Die Einstellung im Nahbereich funktioniert leider nicht mehr so richtig. Daher braucht der Mensch eine Lesebrille mit entsprechenden Gläser. Wer Brillen nicht so gerne hat, kann auch Kontaktlinsen verwenden. Leider verträgt nicht jeder Kontaktlinsen.

Das menschliche Auge verändert sich alle 5 Jahre: Lesebrillen helfen

Ca. alle 5 Jahre verändert sich das menschliche Auge um ca. +0,75 Dioptrien, um sich auf div. Entfernungen flexibel einzustellen (Akkomodation). Es werden dann immer neue Brillen (Lesebrillen) oder Kontaktlinsen gebraucht. Daraus kann man grob folgende Formel aufstellen:

  • 45 bis 50 Jahre: Lesebrille mit Gläser in +0,75 Dioptrien
  • 50 bis 55 Jahre: Lesebrille mit Gläser in +1,5 Dioptrien
  • 55 bis 60 Jahre: Lesebrille mit Gläser in +2,25 Dioptrien
  • 60 bis 65 Jahre: Lesebrille mit Gläser in +3,0 Dioptrien

Bei Weitsichtigen, die bislang eine Korrekturbrille mit z.B. +2,0 Dioptrien trugen, müssen die Werte für die Alterssichtigkeit addiert werden. Eine 50 bis 60 Jahre alte Person bräuchte also eine Lesebrille mit +2,0 Dioptrien zur Korrektur der Weitsichtigkeit und zusätzlich für die Alterssichtigkeit +2,25 Dioptrien, also insgesamt +4,25 Dioptrien.

Bei Personen die kurzsichtig sind, mit z.B. -3,0 Dioptrien gleicht die Kurzsichtigkeit die Alterssichtigkeit aus: Im Alter von 50 bis 60 Jahren ergäbe sich nämlich folgende Rechnung: -3,0 Dioptrien +3,0 Dioptrien = 0,0 Dioptrien. Sie können also ohne Lesebrille lesen.

Altersweitsichtigkeit – hier hilft die Lesebrille

Daher ist es so, dass die meisten älteren Menschen dann später zwei Brillen brauchen, nämlich eine Fernbrille und eine Nahbrille. Wobei hier die Brille für die Nähe die Lesebrille wäre.

Ab wann braucht man eine Lesebrille?

Wenn Sie ohne Brille nicht (mehr) deutlich lesen können, ist die sinnvollste Lösung eine Lesebrille mit Ihren persönlichen Glaswerten, abgestimmt auf Ihre Korrektionswerte, Ihre gewünschte Sehentfernung und Ihren Augenabstand. Solche Brillen gewährleisten Ihnen bequemes Lesen in einer vorher definierten Distanz. Für die Bestimmung der Werte hält Ihr Augenoptiker Leseproben bereit, also Texte in verschiedenen Schriftgrößen.

Nahbrille - Nahkomfortbrille

Schauen Sie bei der Bestimmung Ihrer Korrektionswerte darauf, dass Sie eine natürliche Körperhaltung einnehmen und dass Sie die Textprobe in der Entfernung von der Brille weg halten, in der Sie später auch lesen werden. Wenn Sie viel im Bett lesen, wird das Buch sicher näher vor Ihrem Gesicht liegen, als wenn Sie täglich am Schreibtisch Schriftstücke studieren, dafür würden Sie dann div. Brillen (Lesebrillen) benötigen.

Die Halbbrille bringt gutes Aussehen

Achten Sie einmal darauf, wohin sich Ihr Blick richtet, wenn Sie mit einer Brille lesen. Normalerweise senken Sie Ihren Blick, wenn Sie Texte vor sich auf dem Schreibtisch liegen haben. Die Situation ist anders als auf “Augenhöhe”. Wenn Sie die Brille nur zum Lesen brauchen und in der Ferne gut sehen können, ist beim Kauf zu überlegen, in welchen Situationen Sie die Brille am häufigsten nutzen, denn bei Lesebrillen gibt es zwei Fassungsvarianten. Lesen Sie überwiegend im privaten Bereich oder halten Sie Ihre Lektüre relativ hoch vor den Augen, kann es sinnvoll sein, eine normale Fassungsgröße zu wählen. Halten Sie aber z.B. oft Vorträge, bei denen Sie Ihre Manuskript vor sich haben und aufblicken, um Ihr Publikum zu sehen, empfiehlt sich eine so genannte Halbbrille. Diese Brillen sind so konzipiert, dass Sie nach unten durch die Brille lesen und oben in die Ferne darüber hinweg sehen.Halbbrille

Für welche Fassungsart Sie sich auch entscheiden, beide Brillen sind als Lesebrillen konzipiert und erfordern Ihre Aufmerksamkeit, da Sie diese oft auf- und absetzen. Bequemer können Sie wahrscheinlich mit einer Nahkomfortbrille oder Gleitsichtbrille lesen, sofern Sie es in normaler Kopf- und Körperhaltung tun.

Was kostet eine Lesebrille mit Gläser?

Erwachsene müssen jede Art von Lesebrillen selbst bezahlen, Gläser ebenso wie die Fassung. Die gesetzl. Krankenkassen beteiligen sich nicht an den Kosten – von seltenen, genau definierten Ausnahmen abgesehen (therapeutische Sehhilfen bei Augenverletzungen und Augenerkrankungen, schwerste Sehfehler beider Augen).

Wenn Sie Ihr Portemonnaie schonen wollen, müssen Sie beim Kauf einer Brille also ebenso die Preise vergleichen wie bei der anderen Anschaffung. Dabei auch die Angebote aus dem europäischen Ausland mit einbeziehen lohnt sich allerdings nur, wenn Sie grenznah wohnen oder häufig im Ausland sind. Sonst machen die Kosten für die Anreise einen eventuellen Preisvorteil rasch wieder zunichte.

Natürlich können Sie sich auch bei den Online Brillen Optikern informieren:

Seit Anfang 2009 gibt es einen zusätzlichen Grund für Brillen Preisvergleiche unter den Augenoptikern. Bisher gaben die Hersteller von Brillen-Gläser den Optikern in Deutschland Preisempfehlungen vor, die auch die Handwerksleistungen enthielten. An diese Empfehlung haben sich die meisten Optiker gehalten, sodass vergleichbare Brillen-Gläser in den Geschäften in etwa gleich viel kosteten. Diese Preisempfehlungen sind inzwischen entfallen und die Optiker müssen die Preise für Brille und Gläser eigenständig kalkulieren.

Viele Brillenversicherungen bieten Tarife an, nach denen sie sich bei Bruch, Diebstahl und Verlust an der Neuanschaffung einer Brille beteiligen. Oft werden derartigen Brillenversicherungen sogar von Optikern vermittelt. Ob sich ein Abschluss für Sie lohnt, müssen Sie selbst entscheiden.

TIPP: Handhabung und Pflege von Brillen und Lesebrillen

  • Setzen Sie die Brille mit beiden Händen auf. 
  • Reinigen Sie die Gläser unter fließendem Wasser
  • Legen Sie die Lesebrille so ab, dass Sie die Gläser der Brille nicht berühren
  • Schieben Sie die Brille nicht auf den Kopf in die Haare.
  • Bewahren Sie die Brille in einem stabilen Etui auf.
  • Schützen Sie Ihre Lesebrillen, oder generell alle Brillen vor starker Hitze.

Zentrierung LesebrilleDie Zentrierung der Lesebrille

Bei einer Lesebrille (Einstärkenbrille) kann die Augendrehpunkt- und die Bezugspunktforderung gleichzeitig nicht erfüllt werden. Hier müssen Kompromisse eingegangen werden. In der RAL-RG 915 (Brillen Verordnung für Augenärzte) finden sich daher eigene Vorschriften für die Zentrierung der Lesebrille mit Plus- und Minuswirkung, die etwas anderes ausfallen als die Zentrierungsempfehlungen für die Fernbrille. Um auch hier unnötigen Ärger bei einer Beanstandung der Brille zu vermeiden, sei auf die Besonderheiten der Zentrierung der Einstärkenbrille, hier der Lesebrille, mit Pluswirkung und der Einstärkennahbrille mit Minuswirkung genauer eingegangen. Zweck dieser speziellen Nahbrillen-Zentrierung besteht darin, dem Brillenträger in jedem Fall eine Konvergenzunterstützung zu geben, die ihm die Naharbeit erleichtert. Im Prinzip soll daher eine Lesebrille mit Pluswirkung so zentriert werden, dass der Mittenabstand kleiner als die PD ist, die Einstärkennahbrille mit Minuswirkung soll so zentriert werden, dass der Mittenabstand größer ist als die PD. Ist dies der Fall, so resultiert in beiden Fällen eine Konvergenzunterstützung. Zu beachten ist dabei, dass aufgrund der Konvergenzeinstellung die PD in der Nähe etwas geringer ist als die PD für die Ferne.

 

Lesebrillen ZentrierungNahteile von Zwei- oder Mehrstärkengläsern müssen unabhängig davon aufgrund der Konvergenzstellung nasal dezentriert werden  (Nahteildezentrierung). Auch hierfür existieren in der RAL-RG 915 genau Vorgaben.

PD = Pupillendistanz in mm
MA = Mittenabstand in mm
D = Scheitelbrechwert des Glases

 

 

 

Grafiken: Thieme Verlag (Kröhn und Geyer) mit freundlicher Genehmigung Prof. Dr. Dr. Bernhard Lachenmayr