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Gleitsichtgläser für Gleitsichtbrillen

Prinzip eines Gleitsichtglases (schematische Dartelung). Vom Fernteil F nimm über den Progressionskanal P die brechende Wirkung zu, bis der maximale Wert der Addition im Nahteil N erreicht ist (im vorliegenden Fall + 2 dpt)

Gleitsichtgläser oder Gläser mit progressiver optischer Wirkung besitzen eine kontinuierliche (u.U. nicht lineare) Zunahme der Brechkraft vom Fernteil über den sog. Progressionskanal zum Nahteil. Siehe Abbildung oben.

Im gezeichneten Fall nimmt die brechende Wirkung vom Fernteil zum Nahteil linear zu. Die Übergangszone bezeichnet man als Progressionskanal. Sie muss aus optischen Gründen relativ schmal gehalten werden, so dass die Zentrierung von Gleitsichtgläsern höchst kritisch ist und vom Optiker sehr genau vorgenimmen werden muss. Die Lage der optischen Mitte des Nahteils ist vorgegeben und kann nicht individuell abgestimmt werden, wie dies bei den schwenkbaren Bifokalgläsern möglich war.

Alle Gleitsichtgläser haben Fehler

Man muss wissen, dass jedes Gleitsichtglas beidseitig der schmalen Progressionszone starke optische Fehler aufweist (Verzeichnung, Astigmatismus unterschiedlicher Stärke und Achsrichtung). Während die Gleitsichtgläser der ersten Generation, die vor vielen Jahren auf den Markt kamen, noch erhebliche Abbildungsfehler aufwiesen, haben die Hersteller mittlerweile Gleitsichtgläser entwickelt, bei denen diese Abbildungsfehler stark minimiert, allerdings natürlich nicht vollständig beseitigt sind. Prinzipielles Ziel bei der Konzeption von Gleitsichtgläsern ist die Minimierung der Verzeichnung bei starken horizontalen Blickwendungen, was beispielsweise durch Angleichung der sphärischen Fern- und Nahwirkung in den seitlichen unteren Randpartien geschehen kann. Darüber hinaus besteht das Ziel der Entwicklung von Gleitsichtgläser darin, einen möglichst störungsfreien Fernteil für den Brillenträger zu realisieren. Die erheblichen astigmatischen Fehler, die in den seitlichen Randpartien eines Gleitsichtglases auftreten, sind nicht selten der Grund für die subjektive Unverträglichkeit derartiger Brillengläser. Der Brillenträger braucht bisweilen Wochen bis Monate, um sich an die Scheinbewegungen in der Perepherie zu gewöhnen. In manchen Fällen gelingt die Anpassung nie, vor allem, wenn die Gleitsichtgläser nicht permanent getragen werden und bei höheren Additionen von einer gut vertragenen Bifokalbrille auf Gleitsichtgläser umgestiegen wird.

Gleitsichtgläser vs. Bifokalglas

Problematisch ist bei Gleitsichtgläsern, dass der Abstand zwischen Fern- und Nahbezugspunkt fest vorgegeben ist und wegen der Länge der Progressionszone in der Regel größer ist als bei einem Bifokalglas. Dies bedeutet, dass der Träger einer Gleitsichtbrille den Kopf stärker heben muss, um ein scharfes Bild im Nahbezugspunkt zu erhalten als bei einem Bifokalglas. Dieser Vorgang ist gewöhnungsbedürftig, vor allem dann, wenn die Additionen höher werden bzw. zu hoch sind, als eigentlich erforderlich.

Die Messung von Gleitsichtgläsern am Scheitelbrechwertmesser ist schwierig und oft nicht mit letzter Genauigkeit möglich. Um ein Gleitsichtglas exakt am Scheitelbrechwertmesser vermessen zu können, ist es notwendig zu wissen, um welchen Glashersteller es sich handelt. Im weiteren sind für den jeweiligen Glastyp die zugehörigen Messschablonen erforderlich, die die genaue Lage der Messpunkte angeben. In der Praxis ist dies oft nicht realisierbar, da der Patient in der Regel nicht weiß, von welchem Hersteller seine Brillengläser bezogen wurden. Er weiß dies nur dann, wenn er seinen Brillenpass dabei hat: Dann ist aber die Ausmessung der Gleitsichtbrille überflüssig, da die Werte aus dem Pass entnommen werden können. Wenn nicht bekannt ist um welchen Glashersteller es sich handelt und auch anhand der Gravuren auf dem Glas eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist, so kann keine exakte Ausmessung eines Gleitsichtglases gemacht ewrden. Theoretisceh, beisweilen auch praktisch, besteht die Möglichkeit, auf der Vorderfläche von Gleitsichtgläsern (soweit sie nicht schon sehr alt sind und damit durch den Abrieb ihre Gravuren verloren haben) die herstellertypischen Mikrogravuren aufzufinden, bisweilen auch ein Kürzel für die Stärke der Addition. Wenn Hersteller und auch Glastyp bekannt sind und die zugehörige Messschablone verfügbar ist, dann ist eine genaue Ausmessung möglich, dies soll anhand eines Beispiels demonstriert werden. Siehe Abbildung:

Gleitsichtgläser Messschablone
Messschablone eine Gleitsichtglases der Firma Zeiss

Für dieses Glas der Firma Zeiss befindet sich oberhalb der geometrischen Mitte des Glases der Messpunkt für die Ferne, der Messpunkt für die prismatische Wirkung befindet sich in der Mitte der Schiebe, der Messpunkt für die Nähe ist unten eingezeichnet. Die Kreisgravuren markieren die Horizontale des Glases und den Messpunkt für das Prisma und geben über Kürzel die Stärke der Addition an. In der Praxis wird man sich leider oft in Ermangelung von deteillierten Angaben mit geschätzten Messwerten für Gleitsichtgläser zufrieden geben müssen.